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Interview mit Thomas in der Allgemeinen Zeitung
Stichwort(e): Artikel

Hier zum Link: https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/ingelheim/ingelheim/thomas-werner-zieht-weinberg-dem-buro-vor19932144?fbclid=IwAR0zffKQ8fj-w9jsgR6fAsH4-gUPk_cXKWBRdaCxUQEvz9iIE0h8-NfC8Q

INGELHEIM - Der Junior übernimmt das elterliche Weingut. Ja, und? Ungewöhnlich ist das nicht, wenn man in der Rotweinstadt aufwächst und das Winzer-Gen in sich trägt. Und doch war der Weg von Thomas Werner nicht vorgezeichnet. Denn der ausgebildete Bankkaufmann wollte Betriebswirtschaftslehre studieren. Gleichzeitig suchte Vater Arndt F. Werner einen Nachfolger für das gleichnamige Weingut. Der familiäre Betrieb stand nach sieben Generationen vor einer ungewissen Zukunft. Zumal Bruder Thiemo ebenfalls eine andere Laufbahn einschlug und nicht als Nachfolger in Frage kam.

Eine Situation, die Thomas nachdenklich werden ließ: „Bevor ich in fünf Jahren im Büro sitze und meine Entscheidung bereue, probiere ich es mal im Weingut.“ Gesagt, getan. Thomas packte bei der Lese mit an, die Leidenschaft war geweckt. Und dann ging alles ganz schnell. Der junge Mann entschied sich um, begann Weinbau und Oenologie in Geisenheim zu studieren. Sehr zur Freude seiner Familie. Heute, rund fünf Jahre später, ist der 25-Jährige Juniorchef – und heilfroh über seine Berufswahl. Weshalb er die Arbeit in Weinberg und Keller der Bank vorzieht? „Früher kam ich oft heim und wusste nicht, was ich geleistet habe. Als Winzer ist das anders.“ Reben schneiden, Trauben lesen, keltern: All diese Tätigkeiten sind sichtbar.

Erfahrung sammelte Thomas nicht nur bei seinem Vater, sondern auch in Neuseeland und Südafrika. Unterschiedliche Länder, gefühlt eine andere Welt. Während Winzer hierzulande Mehltau und Reblaus fürchten, gehören in Südafrika Paviane zu den größten Feinden. Die Affen schleichen in den Weinberg und zupfen genüsslich die besten Trauben von den Reben. Arbeiter versuchen sie zu verjagen. Mit Trommeln und Vuvuzelas, den ohrenbetäubenden Trompeten, die auch bei südafrikanischen Fußballfans beliebt sind.

DIE SERIE

In der Rotweinstadt wächst eine neue Weinbau-Generation heran. Der Nachwuchs übernimmt immer mehr Verantwortung in Weinberg, Keller und Vertrieb. Was machen sie anders? Welche Traditionen führen sie fort? Die AZ widmet den jungen Winzern eine Serie.

In Neuseeland war dagegen die Größe des Weinguts prägend. 250 Hektar maß der Weinberg dort, hier bewirten Thomas und sein Vater rund 20 Hektar. „Wir sind Winzer, die Kollegen in Neuseeland sind Manager.“

Mit nach Hause gebracht hat der Jungwinzer viele Ideen. Er pflanze Syrah an, will auch Weißweine im Holzfass ausbauen und mehr Schaumweine herstellen. Thomas will die Büro-Arbeit weiter modernisieren und neue Vertriebswege beschreiten. Ein Ziel ist, die Werner-Weine auch international zu verkaufen. Thomas denkt dabei an Dänemark, nachdem er kürzlich bei einer Verkostung in Kopenhagen war. Auch Russland hat er im Blick, seine Freundin kommt aus Moskau. „Export ist eine neue Herausforderung, in die man sich einarbeiten muss.“ Vater Arndt gewährt Thomas viele Freiräume, lässt ihn ausprobieren. „Das ist nicht selbstverständlich“, weiß er.

Alles umkrempeln will Thomas nicht, schließlich schmecken ihm die Weine seines Vaters. Neues wird es dennoch geben – und zwar schon bald. „Wir haben zum ersten Mal einen Orange Wine gemacht“, verrät er. Dabei handelt es sich um einen Weißwein, der wie ein Rotwein produziert wird. Das ergibt eine Farbe zwischen 0range und Bernstein. Derzeit lagert der Wein im Holzfass, im Laufe des Jahres füllt Thomas ihn in Flaschen ab. „Orange Wine ist etwas Extravagantes“, erklärt der Jungwinzer.

Freuen dürfen sich Wein-Liebhaber auch auf den 2018er Jahrgang. „Die Roten haben Power und es wird spannende Rieslinge und Burgunder geben.“